Autor: GMZ

Pornografie des Barock

Berlin / Kunst

Aus­zug aus einem aktu­el­lem Schreib­pro­jekt. Hier geht es um die fei­nen Regeln der Dar­stel­lung, durch die Kul­tu­ren das Ter­ri­to­ri­um der Prü­de­rie abste­cken. Die frag­li­che Plas­tik aller­dings sprengt alle Gren­zen zuguns­ten der Por­no­gra­fie, wenn man die fei­nen Unter­schie­de in der Dar­stel­lung gewis­ser Orga­ne als Erklä­rung liest, wie die Plas­tik zu deu­ten sei. Der wei­te­re Text, der eine mög­li­che Les­art sehen will, ist, wie die Plas­tik, womög­lich nicht jugendfrei:

Inseln der ästhetischen Hoffnung

Architektur / Theologie

Wenn man durch die trost­lo­se Münch­ner Schot­ter­ebe­ne nach Poing fährt, muß man eine von Auto­bah­nen, Schnell­stras­sen, Gewer­be­parks und gesichts­lo­sem Sied­lungs­brei völ­lig zer­stör­te Land­schaft durch­que­ren. Die Plün­de­rung der Erde, die dazu dient dem Men­schen Din­ge zu geben, zieht am Auto­fens­ter vor­bei, wenn man Glück hat, sieht man den fer­nen Streif der Alpen, sonst nur eine Ver­wüs­tung, die mit ger­ne mit dem Euphe­mis­men des Land­schafts­ver­brauchs und der Flä­chen­ver­sie­ge­lung umschrie­ben wird.

Ränder der Neuzeit, Teil 2

Geschichte / Theologie

1969 nimmt Bern­ward Ves­per in Schwa­bing mit einem Rei­se­be­glei­ter, Bur­ton, einen Trip, der fast vier­und­zwan­zig Stun­den dau­ern wird und spä­ter die Grund­la­ge für Ves­pers Auto­bio­gra­phie, Die Rei­se, die­nen wird. Fast vier­und­zwan­zig Stun­den irren Ves­per und Bur­ton durch Mün­chen, durch­que­ren den Hof­gar­ten, gehen in den Eng­li­schen Gar­ten, die Din­ge schei­nen sich zu ver­schie­ben, eine ande­re, schein­bar inten­si­ve­re Wirk­lich­keit könn­te sich auf­tun, die Welt könn­te weit und schön wer­den, aber in Wahr­heit wer­den Ves­per und Bur­ton fest­stel­len, […]

Ränder der Neuzeit, Teil 1

Geschichte / Theologie

1976 hun­ger­te sich einem Sied­lungs­haus in Fran­ken eine jun­ge Frau mit 23 Jah­ren zu Tode,  nach­dem sie 1973 erst­mals durch Klop­fen im Zim­mer und Stim­men aus der Höl­le beun­ru­higt wur­de, es war das Jahr, in dem der Film The Exor­cist von Wil­liam Fried­kin in die Kinos kam, der eine fik­ti­ve Teu­fels­aus­trei­bung beschreibt. Anne­lie­se Michel war dar­auf wegen ver­mu­te­ter Epi­lep­sie in Behand­lung, seit ihrem Zeit als Teen­ager sah sie außer­dem dämo­ni­sche Gesich­ter, Frat­zen, wie sie sie nann­te, sie war streng […]

Die vertane Chance eines Jahrhunderts II

Architektur / Berlin / Fotografie

Neue Archi­tek­tur Ber­lin, Bahn­hofs­vier­tel und Fried­richs­hain längs der Spree. Die Stra­ßen­füh­rung und die Mas­ter­plä­ne für die Bebau­ung dürf­ten teil­wei­se noch der unse­li­gen Ära Diep­gen enstam­men. Die Daim­ler Benz Are­na wur­de von Anschütz gebaut und zuerst von O2 betrie­ben. Die jüngst ent­stan­de­nen Plät­ze dürf­ten zu den häss­lichs­ten Archi­tek­tur­leis­tun­gen Euro­pas gehö­ren, mehr als alles ande­re sind sie das Janus­ge­sicht einer Ära, die durch Klötz­chen, Ras­ter und Ver­ga­be an pri­va­te Inves­to­ren Bau­mus­ter, die längst ver­ges­sen gehört hät­ten, erneut […]

Das Geheimnis der Mönche

Theologie

Wir blick­ten auf die Saô­ne, die breit und trä­ge an der mit­tel­al­ter­li­chen Stadt vor­bei floß. Auf dem Strom lagen Yach­ten an Ste­gen ver­täut, offen­bar mie­den die Skip­per die gefähr­li­che herbst­li­che Fahrt durch die Bis­ka­ya um ins Mit­tel­meer zu kom­men. Der Bru­der, mit dem ich den Aus­flug mach­te, schau­te auf die Schif­fe, wir tran­ken Kaf­fee und aßen Kuchen, den wir mit­ge­nom­men hat­ten. Auf ein­mal frag­te er mich, wel­che der Yach­ten wohl see­gän­gig sei, er wuss­te, ich […]

Die Schönheit der Medizin

Architektur / Berlin / Fotografie

2 Bau­ten der Cha­ri­té, deren Abriss geplant ist und die in ihrer völ­lig unter­schied­li­chen Gestal­tung Zeug­nis­se her­vor­ra­gen­den und muti­gen skulp­tu­ra­len Umgangs mit Beton sind: Zen­tra­le Tier­ver­suchs­la­bo­ra­to­ri­en (1971–80, heu­te: For­schungs­ein­rich­tung für Expe­ri­men­tel­le Medi­zin, FEM), Archi­tek­ten Gerd und Mag­da­le­na Häns­ka. Ein her­aus­ra­gen­des Bei­spiel des Bru­ta­lis­mus in Deutschland. Das ab 1966 geplan­te und bis 1974 gebau­te Insti­tut für Hygie­ne und Mikro­bio­lo­gie (heu­te: Insti­tut für Hygie­ne und Umwelt­me­di­zin). Archi­tek­ten Fehling+Gogel.Bis heu­te ist es prak­tisch im Ori­gi­nal­zu­stand – eine Zeit­kap­sel sei­ner […]

Schichten der Wahrheit

Geschichte

Was ist, wenn die Welt zuneh­mend einer tota­len Kon­trol­le unter­lä­ge und alles, was wir erle­ben, längst die Agen­da einer neu­en, tota­len Welt­ord­nung sei? Lutz Damm­beck folgt in sei­nem Film­essay Das Netz von 2004 der The­se eines offen­bar ver­wirr­ten rechts­ra­di­ka­len Atten­tä­ters, die Wirk­lich­keit, die wir ken­nen, sei in Wahr­heit das per­fi­de Kon­strukt einer Macht­ma­schi­ne, die sich im Umkreis diver­ser schein­bar libe­ra­ler Insti­tu­tio­nen und Geheim­diens­te der USA eta­bliert habe.

Das verlorene Buch des Aristoteles

Geschichte / Theologie

Was wäre, wenn einer der erha­bens­ten, wich­tigs­ten phi­lo­so­phi­schen Tex­te über das Lachen geschrie­ben wäre? Es gäbe, so die Erzäh­lung, einen Text, der so geheim und sub­ver­siv sei, dass er nie­mals an die Öffent­lich­keit drin­gen dür­fe, wes­we­gen er ein­ge­schlos­sen und ver­wahrt blei­ben müs­se, denn alles, wirk­lich alles, gerä­te ins Wan­ken, wür­de die­ser Text öffent­lich. Der Mönch, der dies äußert, ist in dem Roman einer jener hage­ren, kno­chi­gen Gestal­ten, die mit allen Mit­teln das Über­lie­fer­te sichern wol­len, ein […]