Autor: GMZ

Fabriktagebuch

Geschichte / Theologie

Das Fabrik­ta­ge­buch (La con­di­ti­on ouvriè­re) von Simo­ne Weil ist eines der eigen­ar­tigs­ten und sper­rigs­ten Wer­ke des 20.Jahrhunderts. Aus einer groß­bür­ger­li­chen, kos­mo­po­li­ti­schen jüdi­schen Fami­lie stam­mend stand Simo­ne Weil zuerst dem Kom­mu­nis­mus nahe, wur­de Leh­re­rin, arbei­te­te für ein Jahr als Expe­ri­ment in ver­schie­de­nen Fabri­ken, enga­gier­te sich danach in dem spa­ni­schen Bür­ger­krieg, um dann zuletzt, ange­wi­dert von der Bru­ta­li­tät der Anar­chis­ten, sich der Reli­gi­on anzu­nä­hern. Im Zwei­ten Welt­krieg floh sie nach Lon­don und arbei­te­te vor­über­ge­hend für de Gaul­le. […]

Der Berichterstatter

Fiction

Es war der ers­te Tag, da er mit der End­re­dak­ti­on des Berich­tes begin­nen muss­te. Was soll­te er machen? Es war ja nicht so gewe­sen, dass er die Stadt, in die er hin­ge­zo­gen war, nicht hin­rei­chend ken­nen gelernt hat­te, im Gegen­teil nach 386 Tagen waren wohl sei­ne ers­ten Dos­siers fäl­lig, das ahn­te er. Das war abzu­se­hen gewe­sen. Das Schlim­me war, dass nie­mand bis­lang je ein Dos­sier von ihm ein­ge­for­dert hat­te, sodass er qua­si nichts vor­be­rei­tet hat­te. […]

Technoide Synthesen

Architektur / Fotografie

Die gran­dio­se Archi­tek­tur des Olym­pia­ge­län­des von 1972 und die impo­nie­ren­de Fas­sa­de der BMW Welt sind Gestalt gewor­de­ne Hoff­nung, man kön­ne das Leben­di­ge mit dem Tech­ni­schem ver­söh­nen und eine Syn­the­se schaf­fen zwi­schen zwei Wel­ten, die so nicht zuein­an­der pas­sen. Viel­leicht ist es auch eine Illu­si­on, da die Per­fek­ti­on des Tech­ni­schen dem Leben­di­gen wenig Raum läßt, aber gleich­zei­tig des­sen emo­tio­na­le For­men über­nimmt. Das Werks­vier­tel, das jetzt im Bau ist, möch­te die Sub­kul­tur, die kurz­fris­tig dort ansäs­sig war, […]

Kirchlicher Antisemitismus

Geschichte / Theologie

“Es ist uner­träg­lich und nicht hin­nehm­bar, dass Juden und Jüdin­nen, Syn­ago­gen und jüdi­sche Ein­rich­tun­gen bedroht, ver­un­glimpft und ange­grif­fen wer­den. Anti­se­mi­tis­mus ist ein Ver­bre­chen. Wir wer­den uns über­all ent­ge­gen stel­len, wo Anti­se­mi­tis­mus auf den Stra­ßen in unse­rem Land laut wird.Uner­träg­lich ist die Aus­gren­zung von Jüdin­nen und Juden aus unse­rer Gesell­schaft (…) Wir zei­gen Gesicht und ver­si­chern den jüdi­schen Gemein­den: Wir ste­hen an ihrer Sei­te. Wer euch angreift, greift auch uns an. Wir ste­hen auf gegen Antisemitismus.”

Bescheidenheit guter Form

Architektur / Kunst

In der Nähe von Lands­hut liegt das Anwe­sen von Fritz König. Dort, in Gan­sel­berg, war nicht nur sein Wohn­sitz und sein Gestüt, son­dern auch sein Ate­lier. Auch wenn das Ate­lier schein­bar wie ein his­to­ri­sches Gebäu­de aus­sieht, sieht man doch bei genaue­rem Hin­se­hen Beton­fun­da­men­te, skulp­tu­ra­le Plas­ti­zi­tät der Tür­be­schlä­ge und stren­gen Form­wil­len in den eiser­nen Bän­dern, die die Tür­flü­gel halten.

Armut und Ökologie

Architektur / Berlin

An weni­gen Stel­len wird das Bild einer mög­li­chen Zukunft sicht­bar, die in ihren Bil­dern den spar­sa­men, nur auf Zweck aus­ge­rich­te­ten Bau­ten der Nach­kriegs­ära gleicht. Hier sind es neue Pro­jek­te in Ber­lin, ein Mehr­ge­schoss­bau aus Holz im Wed­ding und in Neu­kölln All­tag, ein Gebäu­de, das Men­schen aus pre­kä­ren Situa­tio­nen Obdach geben soll, sowie ein Eine Welt Zen­trum, das 40 NGOs beher­ber­gen soll. Die Bau­ten sind schlicht, teil­wei­se öko­lo­gisch ori­en­tiert und über­ra­gend häß­lich. Mehr als in allem […]

Pornografie des Barock

Berlin / Kunst

Aus­zug aus einem aktu­el­lem Schreib­pro­jekt. Hier geht es um die fei­nen Regeln der Dar­stel­lung, durch die Kul­tu­ren das Ter­ri­to­ri­um der Prü­de­rie abste­cken. Die frag­li­che Plas­tik aller­dings sprengt alle Gren­zen zuguns­ten der Por­no­gra­fie, wenn man die fei­nen Unter­schie­de in der Dar­stel­lung gewis­ser Orga­ne als Erklä­rung liest, wie die Plas­tik zu deu­ten sei. Der wei­te­re Text, der eine mög­li­che Les­art sehen will, ist, wie die Plas­tik, womög­lich nicht jugendfrei:

Inseln der ästhetischen Hoffnung

Architektur / Theologie

Wenn man durch die trost­lo­se Münch­ner Schot­ter­ebe­ne nach Poing fährt, muß man eine von Auto­bah­nen, Schnell­stras­sen, Gewer­be­parks und gesichts­lo­sem Sied­lungs­brei völ­lig zer­stör­te Land­schaft durch­que­ren. Die Plün­de­rung der Erde, die dazu dient dem Men­schen Din­ge zu geben, zieht am Auto­fens­ter vor­bei, wenn man Glück hat, sieht man den fer­nen Streif der Alpen, sonst nur eine Ver­wüs­tung, die mit ger­ne mit dem Euphe­mis­men des Land­schafts­ver­brauchs und der Flä­chen­ver­sie­ge­lung umschrie­ben wird.

Ränder der Neuzeit, Teil 2

Geschichte / Theologie

1969 nimmt Bern­ward Ves­per in Schwa­bing mit einem Rei­se­be­glei­ter, Bur­ton, einen Trip, der fast vier­und­zwan­zig Stun­den dau­ern wird und spä­ter die Grund­la­ge für Ves­pers Auto­bio­gra­phie, Die Rei­se, die­nen wird. Fast vier­und­zwan­zig Stun­den irren Ves­per und Bur­ton durch Mün­chen, durch­que­ren den Hof­gar­ten, gehen in den Eng­li­schen Gar­ten, die Din­ge schei­nen sich zu ver­schie­ben, eine ande­re, schein­bar inten­si­ve­re Wirk­lich­keit könn­te sich auf­tun, die Welt könn­te weit und schön wer­den, aber in Wahr­heit wer­den Ves­per und Bur­ton fest­stel­len, […]

Ränder der Neuzeit, Teil 1

Geschichte / Theologie

1976 hun­ger­te sich einem Sied­lungs­haus in Fran­ken eine jun­ge Frau mit 23 Jah­ren zu Tode,  nach­dem sie 1973 erst­mals durch Klop­fen im Zim­mer und Stim­men aus der Höl­le beun­ru­higt wur­de, es war das Jahr, in dem der Film The Exor­cist von Wil­liam Fried­kin in die Kinos kam, der eine fik­ti­ve Teu­fels­aus­trei­bung beschreibt. Anne­lie­se Michel war dar­auf wegen ver­mu­te­ter Epi­lep­sie in Behand­lung, seit ihrem Zeit als Teen­ager sah sie außer­dem dämo­ni­sche Gesich­ter, Frat­zen, wie sie sie nann­te, sie war streng […]