Alle Artikel in: Geschichte

Ränder der Neuzeit, Teil 2

Geschichte / Theologie

1969 nimmt Bern­ward Ves­per in Schwa­bing mit einem Rei­se­be­glei­ter, Bur­ton, einen Trip, der fast vier­und­zwan­zig Stun­den dau­ern wird und spä­ter die Grund­la­ge für Ves­pers Auto­bio­gra­phie, Die Rei­se, die­nen wird. Fast vier­und­zwan­zig Stun­den irren Ves­per und Bur­ton durch Mün­chen, durch­que­ren den Hof­gar­ten, gehen in den Eng­li­schen Gar­ten, die Din­ge schei­nen sich zu ver­schie­ben, eine ande­re, schein­bar inten­si­ve­re Wirk­lich­keit könn­te sich auf­tun, die Welt könn­te weit und schön wer­den, aber in Wahr­heit wer­den Ves­per und Bur­ton fest­stel­len, […]

Ränder der Neuzeit, Teil 1

Geschichte / Theologie

1976 hun­ger­te sich einem Sied­lungs­haus in Fran­ken eine jun­ge Frau mit 23 Jah­ren zu Tode,  nach­dem sie 1973 erst­mals durch Klop­fen im Zim­mer und Stim­men aus der Höl­le beun­ru­higt wur­de, es war das Jahr, in dem der Film The Exor­cist von Wil­liam Fried­kin in die Kinos kam, der eine fik­ti­ve Teu­fels­aus­trei­bung beschreibt. Anne­lie­se Michel war dar­auf wegen ver­mu­te­ter Epi­lep­sie in Behand­lung, seit ihrem Zeit als Teen­ager sah sie außer­dem dämo­ni­sche Gesich­ter, Frat­zen, wie sie sie nann­te, […]

Schichten der Wahrheit

Geschichte

Was ist, wenn die Welt zuneh­mend einer tota­len Kon­trol­le unter­lä­ge und alles, was wir erle­ben, längst die Agen­da einer neu­en, tota­len Welt­ord­nung sei? Lutz Damm­beck folgt in sei­nem Film­essay Das Netz von 2004 der The­se eines offen­bar ver­wirr­ten rechts­ra­di­ka­len Atten­tä­ters, die Wirk­lich­keit, die wir ken­nen, sei in Wahr­heit das per­fi­de Kon­strukt einer Macht­ma­schi­ne, die sich im Umkreis diver­ser schein­bar libe­ra­ler Insti­tu­tio­nen und Geheim­diens­te der USA eta­bliert habe.

Das verlorene Buch des Aristoteles

Geschichte / Theologie

Was wäre, wenn einer der erha­bens­ten, wich­tigs­ten phi­lo­so­phi­schen Tex­te über das Lachen geschrie­ben wäre? Es gäbe, so die Erzäh­lung, einen Text, der so geheim und sub­ver­siv sei, dass er nie­mals an die Öffent­lich­keit drin­gen dür­fe, wes­we­gen er ein­ge­schlos­sen und ver­wahrt blei­ben müs­se, denn alles, wirk­lich alles, gerä­te ins Wan­ken, wür­de die­ser Text öffent­lich. Der Mönch, der dies äußert, ist in dem Roman einer jener hage­ren, kno­chi­gen Gestal­ten, die mit allen Mit­teln das Über­lie­fer­te sichern wol­len, ein […]

Fotographische Hyperrealität

Denken / Fotografie / Geschichte

Jeder, der ein neue­res Smart­pho­ne in den Hän­den hält und damit mehr als nur sei­nen Hund, sein Essen oder sei­nen Gelieb­ten foto­gra­fiert, wird die Fotos als irre­al empfinden.  Eine gerin­ge­re Tie­fen­schär­fe, wie sie von groß­for­ma­ti­gen Kame­ras je nach der gewähl­ten Blen­de gewohnt war, ist ver­schwun­den (es sei denn sie wird arti­fi­zi­ell bei Por­traits durch Soft­ware erzeugt), Vor­der­grund und Hin­ter­grund sind, bedingt durch die Lin­sen­grö­ße, gleich scharf. Es ist, als habe jemand jedes Detail so scharf […]

Das Beharren der Institutionen

Geschichte / Theologie

Es war Herbst, eigent­lich zu spät für den höl­zer­nen Segler der mit 276 Per­so­nen an Bord ähn­lich über­la­den wie heu­ti­ge Flücht­lings­schif­fe vom Süd­os­ten Kre­tas aus­lief um längs der Küs­te nach Wes­ten nach Pho­i­nix, das gän­gi­ger­wei­se im Wes­ten Kre­tas ver­mu­tet wird, zu segeln. Man stritt sich vor dem Aus­lau­fen, ob die Pas­sa­ge nicht zu gefähr­lich sei, aber der Haupt­mann, der den Gefan­ge­nen nach Rom brin­gen soll­te, woll­te an Bord. Der pro­mi­nen­te Gefan­ge­ne warn­te ein­dring­lich vor dem […]

Sinnsuche der Funktionselite

Geschichte / Theologie

Der jun­ge Mann aus Nord­afri­ka war ein aus­ge­bil­de­ter Rhe­to­ri­ker, der als rae­tor für den Kai­ser arbeitete, also, wie wir heu­te sagen wür­den, als Pres­se­spre­cher des Prä­si­den­ten fun­gier­te. Klug war er ohne­hin, sexy auch (in sei­ner Auto­bio­gra­fie erwähnt er den Stolz des Vaters, einen so wohl­ge­bau­ten Sohn zu haben, als sein Vater ihn als Teen­ager in der Bade­wan­ne gese­hen hat­te) und eine Hei­rat in eine der füh­ren­den Adels­fa­mi­li­en war anvi­siert. Die lang­jäh­ri­ge Gelieb­te, mit der er […]

Weisse Elefanten der Moderne

Architektur / Berlin / Fotografie / Geschichte

In den Zwan­zi­ger Jah­ren gab es ers­te Pro­jek­te, die Auto­stras­sen als Teil eines funk­tio­na­len Fort­schrit­tes begrei­fen woll­ten und Büro- und Wohn­häu­ser so kon­zi­pier­ten, dass sie Stras­sen als Quer­rie­gel über­spann­ten. Das Büro des Rek­tors im Bau­haus zu Des­sau soll­te auf eine befah­re­ne Stras­se her­ab­bli­cken, eben­so ein Quer­rie­gel in der Wei­ßen Stadt in Ber­lin, die am Ende der 1920er Jah­re für sozia­le Zwe­cke nach dem Städ­te­bau­ent­wurf von Otto Rudolf Sal­vis­berg erbaut wur­de. Das Auto, das bis dahin […]

Figuren zwischen Himmel und Erde

Architektur / Geschichte / Kunst

Die Men­schen des Baro­ckes erschei­nen für uns schein­bar bereits Wesen der Moder­ne zu sein, also Men­schen, die wir für ver­ständ­lich und mög­li­cher­wei­se ratio­nal hal­ten, aber, sieht man die Rekon­struk­tio­nen baro­cker Schlös­ser, die in Ber­lin und Pots­dam errich­tet wer­den, so fällt eines auf, was noch fehlt und mög­li­cher­wei­se aus finan­zi­el­len Grün­den nicht wie­der auf­ge­stellt wird oder gar als unnö­tig weg­ge­las­sen wird, obwohl es zu baro­cker Archi­tek­tur dazu­ge­hört: die Attika-Figuren.