Vaterängste

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Fiction

EINE KURZGESCHICHTE

Es war ein Alb­traum, die Erin­ne­rung kennt nur eines die­ser gesicht­lo­sen Hotel­zim­mer, die für rei­sen­de Ver­si­che­rungs­ver­tre­ter oder Pro­gram­mie­rer kon­zi­piert sind. Das war der Ort des Trau­mes, die Ein­rich­tung war bil­lig und prak­tisch, aber doch so als wür­de sie aus einem dritt­klas­si­gen Ein­rich­tungs­heft stam­men, das in Dro­ge­ri­en ver­kauft wird.
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Das Grabtuch oder Jesus war in Indien!

Nonfiction / Theologie

Jesus war in Indi­en! Es gab in den frü­hen Acht­zi­gern des letz­ten Jahr­hun­derts eine eigen­ar­ti­ge Wel­le eso­te­ri­scher Begeis­te­rung für Indi­en. Nicht nur, dass ger­ne nach Indi­en gereist wur­de, nein, Asi­en stand noch für ein Reser­voir an unver­brauch­ter Spi­ri­tua­li­tät, die im Wes­ten erschöpft zu sein schien. Die Ära Kohl stand zusam­men mit wat­tier­ten Schul­ter­pols­tern, Der Schwarz­wald­kli­nik, mul­ti­plen Pers­hing und Crui­se Mis­si­les Depots vor der Tür und eine suchen­de Geis­tes­strö­mung, die die west­li­che Kul­tur seit hun­dert Jah­ren beglei­tet hat­te, brach ein letz­tes Mal an die Ober­flä­che. Eine der Mythen, die in Rah­men die­ser Strö­mung die­ser Wel­le von Eso­te­rik auf­ka­men, war die The­se, Jesus habe in Indi­en gelebt, womit die geis­ti­ge Uni­on zwi­schen Bud­dhis­ten und Chris­ten nahe­lie­ge (sie war ja längst in der Per­son Hugo Maki­bi Eno­miya-Las­s­al­les voll­zo­gen wor­den, der zeit­le­bens Pries­ter der Jesui­ten und seit 1973 von Bud­dhis­ten aner­kann­ter Zen Meis­ter, also Roshi, war). Nico­las Noto­vitch hat­te im 19.Jahrhundert die Geschich­te erfun­den, dass es im Klos­ter Hemis in Ladakh gehei­me Schrif­ten gege­ben habe, die einen Issa in Kasch­mir bezeu­gen, der nie­mand anders als Jesus war. 1983 erschien Hol­ger Kers­tens Buch, Jesus leb­te in Indi­en, das pos­tu­lier­te, Jesus habe die Kreu­zi­gung über­lebt und sei spä­ter nach Kasch­mir gewan­dert, wo er in dem Roza Bal in Sri­na­gar als Yuz Asaf begra­ben lie­ge.

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Die Festung starren Glaubens

Fotografie / Geschichte / Kunst / Theologie

 

In weni­gen Bau­ten ver­wirk­licht sich die Mischung aus Glau­be, Ideo­lo­gie und Macht sosehr in einem Kris­tall wie dem El Esco­ri­al nahe Madrid, das von Phil­ipp II. von Spa­ni­en am Ran­de der Ber­ge in der Nähe von Madrid als Klos­ter und Palast kon­zi­piert wor­den ist. In ihm scheint der mili­tan­te Katho­li­zis­mus der Gegen­re­for­ma­ti­on zu einem stei­ner­nen, abwei­sen­den Mani­fest abso­lu­ten Wil­lens zur eige­nen Unter­ord­nung ver­dich­tet zu sein, des­sen grau­er Gra­nit fast schmuck­los ist, aber eine unge­heu­re seri­el­le und dis­zi­pli­nie­ren­de Wucht aus­strahlt. Das ein­zi­ge, was nicht Glau­be und Macht der Herr­scher­hau­ses aus­drückt, sind Sti­che von Dürer mit Tie­ren und Pflan­zen in dem inti­men Arbeits­zim­mer von Phil­ipp II.

Geistigkeit und Vernunft

Denken / Kunst / Nonfiction

Fast nur deutsch­spra­chi­ge Auto­ren und Phi­lo­so­phen haben sich an einer Gesamt­schau der Geschich­te ver­sucht,

Karl Marx etwa, des­sen The­sen erneut bei eini­gen Lin­ken eine zwei­te Renais­sance erle­ben, je mehr der Spät­ka­pi­ta­lis­mus sich in sei­ne dys­funk­tio­na­le Ago­nie stei­gert und absur­der das Ver­hält­nis zwi­schen den Gütern der Weni­gen und der Mit­tel­lo­sig­keit der Vie­len wird. Auch die Rech­ten wer­den in ihrer Lek­tü­re bei einer Gesamt­schau der Geschich­te fün­dig, nur hier ist es Oswald Speng­ler, der Kul­tu­ren in ihrer Ent­wick­lung ver­gli­chen hat und nun dem Wes­ten ana­log Rom einen all­mäh­li­chen Über­gang von der Demo­kra­tie in das Impe­ri­um ver­heisst, mit den Begleit­erschei­nun­gen des Popu­lis­mus, der Ver­fall der Fröm­mig­keit zuguns­ten von Mit­tel­al­ter­spie­len und Eso­te­rik sowie der immer wei­ter aus­ein­an­der klaf­fen­den sozia­len Sche­re, auch der Limes, was Speng­ler so noch nicht gese­hen hat­te, wird ja längst in Ungarn und Ser­bi­en zum “Schut­ze” der EU neu errich­tet. Wei­ter­le­sen

Terror und Geschichte

Geschichte / Theologie
Als Ver­non Way­ne How­ell 1981 zu den Branch Davi­di­ans stiess, war er ein jun­ger, schlan­ker Mann, der rela­tiv gut Gitar­re spiel­te, lan­ge Haa­re hat­te, schmut­zi­ge Jeans trug und eine begrenz­te Bil­dung hat­te. Die Branch Davi­di­ans waren eine Abspal­tung der Sie­ben Tages Adven­tis­ten, die wegen ihrer Radi­ka­li­tät aus der Kir­che aus­ge­schlos­sen wor­den waren. Sie waren der Anschau­ung, dass nach dem zwei­ten Kom­men Chris­ti das tau­send­jäh­ri­ge Reich des Frie­dens anbrä­che, und leb­ten in einer gespann­ten Erwar­tung, dass dies unmit­tel­bar bevor­stün­de.
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Öde und Bauen

Denken

Es gab in Micha­el Endes Momo,

einem damals als Kult ver­ehr­ten und spä­ter ver­film­ten Kin­der­buch, das Bild, graue Zeit­die­be wür­den den Men­schen Zeit und Sinn­lich­keit rau­ben und nichts ande­res als eine graue Wüs­te hin­ter­las­sen.

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Architektur und Himmel

Fotografie


 

Auch einer der Orte, die frü­her auch Refu­gi­um für die­je­ni­gen aus dem Nor­den waren, die vor Käl­te und Gewinn­stre­ben geflo­hen sind. Jetzt sind neue Stra­ßen gezo­gen, für Geld & Gäs­te, die ein­mal kom­men sol­len.

Die­je­ni­gen, die jetzt aus dem Nor­den zuzie­hen, wer­den das Frü­he­re nie ver­ste­hen.

Es war Samstag

Berlin / Denken / Nonfiction / Theologie

Was hältst Du von dem IS?”

Es war Anfang Dezem­ber und Sams­tag Nacht, die U-Bahn fuhr nach Neu­kölln, um mich her­um saß eine Grup­pe jun­ge Män­ner. Sie rede­ten mit­ein­an­der und scherz­ten. Sie hat­ten dunk­le­re Haut und Drei-Tage Bär­te und die Figur von Leu­ten, die regel­mä­ßig Sport machen oder mehr­mals wöchent­lich ins Fit­nesstu­dio gehen. Ver­mut­lich waren sie tür­kisch oder ara­bisch stäm­mig, sie rede­ten auf Deutsch, ich hör­te nicht hin, da ich noch mei­nen Gedan­ken nach­hän­gen woll­te. Sie waren offen­bar Freun­de und neck­ten sich. Der Zug war nur halb­voll, es war noch vor Mit­ter­nacht, die jugend­li­chen Par­ty­gäs­te, die wie von Mode­ma­ga­zi­nen gecas­tet wir­ken, noch nicht da.
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