Kirchlicher Antisemitismus

Geschichte / Theologie

Es ist uner­träg­lich und nicht hin­nehm­bar, dass Juden und Jüdin­nen, Syn­ago­gen und jüdi­sche Ein­rich­tun­gen bedroht, ver­un­glimpft und ange­grif­fen wer­den. Anti­se­mi­tis­mus ist ein Ver­bre­chen. Wir wer­den uns über­all ent­ge­gen stel­len, wo Anti­se­mi­tis­mus auf den Stra­ßen in unse­rem Land laut wird.
Uner­träg­lich ist die Aus­gren­zung von Jüdin­nen und Juden aus unse­rer Gesell­schaft (…) Wir zei­gen Gesicht und ver­si­chern den jüdi­schen Gemein­den: Wir ste­hen an ihrer Sei­te. Wer euch angreift, greift auch uns an. Wir ste­hen auf gegen Antisemitismus.”

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Bescheidenheit guter Form

Architektur / Kunst

In der Nähe von Lands­hut liegt das Anwe­sen von Fritz König. Dort, in Gan­sel­berg, war nicht nur sein Wohn­sitz und sein Gestüt, son­dern auch sein Ate­lier. Auch wenn das Ate­lier schein­bar wie ein his­to­ri­sches Gebäu­de aus­sieht, sieht man doch bei genaue­rem Hin­se­hen Beton­fun­da­men­te und die skulp­tu­ra­le Plas­ti­zi­tät der Tür­be­schlä­ge und stren­gen Form­wil­len in den eiser­nen Bän­dern, die die Tür­flü­gel halten.

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Armut und Ökologie

Architektur / Berlin

An weni­gen Stel­len wird das Bild einer mög­li­chen Zukunft sicht­bar, die in ihren Bil­dern den spar­sa­men, nur auf Zweck aus­ge­rich­te­ten Bau­ten der Nach­kriegs­ära gleicht. Hier sind es neue Pro­jek­te in Ber­lin, ein Mehr­ge­schoss­bau aus Holz im Wed­ding und in Neu­kölln All­tag, ein Gebäu­de, das Men­schen aus pre­kä­ren Situa­tio­nen Obdach geben soll, sowie ein Eine Welt Zen­trum, das 40 NGOs beher­ber­gen soll. Die Bau­ten sind schlicht, teil­wei­se öko­lo­gisch ori­en­tiert und über­ra­gend häß­lich. Mehr als in allem ande­ren tritt in ihnen das Ant­litz einer mög­li­chen Zukunft ent­ge­gen, die wegen schwin­den­der Res­sour­cen und wach­sen­der Ungleich­heit öko­no­mi­schen Abschwung und immer grö­ße­re Karg­heit für die Meis­ten bringt.

Über die Pro­jek­te in Neu­kölln: All­tag und Eine Welt Zentrum

Pornografie des Barock

Berlin / Kunst

Aus­zug aus einem aktu­el­lem Schreib­pro­jekt. Hier geht es um die fei­nen Regeln der Dar­stel­lung, durch die Kul­tu­ren das Ter­ri­to­ri­um der Prü­de­rie abste­cken. Die frag­li­che Plas­tik aller­dings sprengt alle Gren­zen zuguns­ten der Por­no­gra­fie, wenn man die fei­nen Unter­schie­de in der Dar­stel­lung gewis­ser Orga­ne als Erklä­rung liest, wie die Plas­tik zu deu­ten sei. Der wei­te­re Text, der eine mög­li­che Les­art sehen will, ist, wie die Plas­tik, womög­lich nicht jugendfrei:

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Inseln der ästhetischen Hoffnung

Architektur / Theologie

Wenn man durch die trost­lo­se Münch­ner Schot­ter­ebe­ne nach Poing fährt, muß man eine von Auto­bah­nen, Schnell­stras­sen, Gewer­be­parks und gesichts­lo­sem Sied­lungs­brei völ­lig zer­stör­te Land­schaft durch­que­ren. Die Plün­de­rung der Erde, die dazu dient dem Men­schen Din­ge zu geben, zieht am Auto­fens­ter vor­bei, wenn man Glück hat, sieht man den fer­nen Streif der Alpen, sonst nur eine Ver­wüs­tung, die mit ger­ne mit dem Euphe­mis­men des Land­schafts­ver­brauchs und der Flä­chen­ver­sie­ge­lung umschrie­ben wird.

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Ränder der Neuzeit, Teil 2

Geschichte / Theologie

1969 nimmt Bern­ward Ves­per in Schwa­bing mit einem Rei­se­be­glei­ter, Bur­ton, einen Trip, der fast vier­und­zwan­zig Stun­den dau­ern wird und spä­ter die Grund­la­ge für Ves­pers Auto­bio­gra­phie, Die Rei­se, die­nen wird. Fast vier­und­zwan­zig Stun­den irren Ves­per und Bur­ton durch Mün­chen, durch­que­ren den Hof­gar­ten, gehen in den Eng­li­schen Gar­ten, die Din­ge schei­nen sich zu ver­schie­ben, eine ande­re, schein­bar inten­si­ve­re Wirk­lich­keit könn­te sich auf­tun, die Welt könn­te weit und schön wer­den, aber in Wahr­heit wer­den Ves­per und Bur­ton fest­stel­len, dass sie in der WG nur halb­will­kom­men sind, was auf Trip beson­ders unent­spannt ist, und Bern­ward Ves­per wird danach sei­nen Text radi­kal neu ord­nen wol­len. Joa­chim Leh­mann schrieb 1992 in DER ZEIT, Ves­per habe sich in einer unmög­li­chen Situa­ti­on emp­fun­den, her­um das böse, klein­bür­ger­li­che Deutsch­land vol­ler Vege­ta­bles, wie Ves­per sei­ne Mit­bür­ger nennt (auch Bur­ton, ver­mu­tet Ves­per, wird als ame­ri­ka­ni­scher Jude vom schi­cken Loft in Man­hat­tan träu­men), und der ver­lo­re­ne, weil unsin­ni­ge Kampf der RAF, an dem Ves­per nicht teil­neh­men woll­te — so, laut Leh­mann, ist der Aus­flug in roman­ti­sche Bil­der ein Signum der seit dem Sturm und Drang schau­er­lich schei­tern­den deut­schen Lin­ken. Nimmt Bern­ward Ves­per die Erleb­nis­se als Signum für eine tie­fe­re, poe­ti­sche­re Exis­tenz, die sich auf­tun könn­te, obwohl er die Stu­den­ten­be­we­gung als geschei­tert ansieht? Oder ist der Trip Aus­lö­ser für eine radi­ka­le Nabel­schau, die schlicht­weg als Schlüs­sel­text für eine gan­ze radi­ka­le Genera­ti­on gilt? Wenn ja, dann war es eine Rei­se, die zu einer gna­den­lo­sen Selbst­er­kennt­nis führ­te, ohne dass es irgend­ei­nes trös­ten­den Momen­tes gege­ben hät­te. Es wird ein Hor­ror­trip, in dem Dan­tes Figu­ren der Höl­le von real exis­tie­ren­den Figu­ren der BRD über­nom­men wer­den, die in güte­frei­er und humor­lo­ser Manier durch die Bio­gra­fie wan­deln. War­um wird eine tris­te Bade­wan­ne in einem Text Aus­gang für eine illu­si­ons­lo­se Sicht auf den eige­nen Wer­de­gang als solchen?

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Ränder der Neuzeit, Teil 1

Geschichte / Theologie

1976 hun­ger­te sich einem Sied­lungs­haus in Fran­ken eine jun­ge Frau mit 23 Jah­ren zu Tode, 

nach­dem sie 1973 erst­mals durch Klop­fen im Zim­mer und Stim­men aus der Höl­le beun­ru­higt wur­de, es war das Jahr, in dem der Film The Exor­cist von Wil­liam Fried­kin in die Kinos kam, der eine fik­ti­ve Teu­fels­aus­trei­bung beschreibt. Anne­lie­se Michel war dar­auf wegen ver­mu­te­ter Epi­lep­sie in Behand­lung, seit ihrem Zeit als Teen­ager sah sie außer­dem dämo­ni­sche Gesich­ter, Frat­zen, wie sie sie nann­te, sie war streng katho­lisch auf­ge­wach­sen, Tan­zen war ihr ver­bo­ten, Fotos des Eltern­hau­ses las­sen auf eine enge, kar­ge reli­giö­se Atmo­sphä­re schließen.

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Die vertane Chance eines Jahrhunderts

Architektur / Berlin / Fotografie

Neue Archi­tek­tur Ber­lin, Bahn­hofs­vier­tel und Fried­richs­hain längs der Spree. Die Stra­ßen­füh­rung und die Mas­ter­plä­ne für die Bebau­ung dürf­ten teil­wei­se noch der unse­li­gen Ära Diep­gen enstam­men. Die Daim­ler Benz Are­na wur­de von Anschütz gebaut und zuerst von O2 betrie­ben. Die jüngst ent­stan­de­nen Plät­ze dürf­ten zu den häss­lichs­ten Archi­tek­tur­leis­tun­gen Euro­pas gehö­ren, mehr als alles ande­re sind sie das Janus­ge­sicht einer Ära, die durch Klötz­chen, Ras­ter und Ver­ga­be an pri­va­te Inves­to­ren Bau­mus­ter, die längst ver­ges­sen gehört hät­ten, erneut evoziert.

Das Geheimnis der Mönche

Theologie

Wir blick­ten auf die Saô­ne, die breit und trä­ge an der mit­tel­al­ter­li­chen Stadt vor­bei floß. Auf dem Strom lagen Yach­ten an Ste­gen ver­täut, offen­bar mie­den die Skip­per die gefähr­li­che herbst­li­che Fahrt durch die Bis­ka­ya um ins Mit­tel­meer zu kom­men. Der Bru­der, mit dem ich den Aus­flug mach­te, schau­te auf die Schif­fe, wir tran­ken Kaf­fee und aßen Kuchen, den wir mit­ge­nom­men hat­ten. Auf ein­mal frag­te er mich, wel­che der Yach­ten wohl see­gän­gig sei, er wuss­te, ich hat­te frü­her Wochen auf hoher See ver­bracht. Ich ant­wor­te­te, das hin­ge von Bal­last und Unter­was­seschiff ab, aber die Ant­wort lief ins Lee­re. Ich spür­te die lei­se fei­ne Sehn­sucht des Bru­ders, obwohl er in Spa­ni­en und Süd­ame­ri­ka gelebt hat­te, aber ich rede­te nicht wei­ter. Es war alles gesagt, vor uns glit­zer­te die Saô­ne im Herbst­licht, ich spür­te die unaus­ge­spro­che­ne Sehn­sucht und Ver­letz­lich­keit mei­nes Beglei­ters, des­sen brei­te Schul­tern so wirk­ten, als gäbe es kein Hin­der­nis für sie.

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Die Schönheit der Medizin

Architektur / Berlin / Fotografie

2 Bau­ten der Cha­ri­té, deren Abriss geplant ist und die in ihrer völ­lig unter­schied­li­chen Gestal­tung Zeug­nis­se her­vor­ra­gen­den und muti­gen skulp­tu­ra­len Umgangs mit Beton sind:

Zen­tra­le Tier­ver­suchs­la­bo­ra­to­ri­en (1971–80, heu­te: For­schungs­ein­rich­tung für Expe­ri­men­tel­le Medi­zin, FEM), Archi­tek­ten Gerd und Mag­da­le­na Häns­ka. Ein her­aus­ra­gen­des Bei­spiel des Bru­ta­lis­mus in Deutschland.

Das ab 1966 geplan­te und bis 1974 gebau­te Insti­tut für Hygie­ne und Mikro­bio­lo­gie (heu­te: Insti­tut für Hygie­ne und Umwelt­me­di­zin). Archi­tek­ten Fehling+Gogel.
Bis heu­te ist es prak­tisch im Ori­gi­nal­zu­stand – eine Zeit­kap­sel sei­ner Bauzeit.