Schichten der Wahrheit

Geschichte

Was ist, wenn die Welt zuneh­mend einer tota­len Kon­trol­le unter­lä­ge und alles, was wir erle­ben, längst die Agen­da einer neu­en, tota­len Welt­ord­nung sei?

Lutz Damm­beck folgt in sei­nem Film­essay Das Netz von 2004 der The­se eines offen­bar ver­wirr­ten rechts­ra­di­ka­len Atten­tä­ters, die Wirk­lich­keit, die wir ken­nen, sei in Wahr­heit das per­fi­de Kon­strukt einer Macht­ma­schi­ne, die sich im Umkreis diver­ser schein­bar libe­ra­ler Insti­tu­tio­nen und Geheim­diens­te der USA eta­bliert habe.

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Das verlorene Buch des Aristoteles

Geschichte / Theologie

Was wäre, wenn einer der erha­bens­ten, wich­tigs­ten phi­lo­so­phi­schen Tex­te über das Lachen geschrie­ben wäre?

Es gäbe, so die Erzäh­lung, einen Text, der so geheim und sub­ver­siv sei, dass er nie­mals an die Öffent­lich­keit drin­gen dür­fe, wes­we­gen er ein­ge­schlos­sen und ver­wahrt blei­ben müs­se, denn alles, wirk­lich alles, gerä­te ins Wan­ken, wür­de die­ser Text öffent­lich. Der Mönch, der dies äußert, ist in dem Roman einer jener hage­ren, kno­chi­gen Gestal­ten, die mit allen Mit­teln das Über­lie­fer­te sichern wol­len, ein blin­der aske­ti­scher Mann mit rigo­ro­sem Pro­ce­de­re, ähn­lich den angeb­li­chen Bewah­rern des Glau­bens, die auch immer lie­ber die Welt in Flam­men set­zen als ein Fuß­breit ihrer ver­meint­li­chen Wahr­heit preis­zu­ge­ben. Ja, der blin­de Biblio­the­kar wird die Biblio­thek, die ein Sym­bol der Welt ist, ein­äschern, damit der Text des Aris­to­te­les über die Komö­die, also das Lachen, nie­mals an die Öffent­lich­keit gelange. 

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Die Internationale der Hässlichkeit

Architektur / Fotografie

 

Feri­en­zen­tren für den Mas­sen­tou­ris­mus. Die feh­len­de anspre­chen­de visu­el­le Kom­po­nen­te dürf­te durch gewinn­ori­en­tier­te Mas­sen­hal­tung ver­ur­sacht sein.

Samenspender

Fiction

Da steht Lui­se jetzt in dem Zim­mer und weiß nicht, wie sie sagen soll, was sie getan hat. Ihr Freund sitzt am Schreib­tisch und geht noch wie immer die Emails durch, die er in nicht im Büro hat­te bewäl­ti­gen kön­nen. Sie könn­te ihm noch einen Tee machen und sich neben ihn set­zen, aber er wird wohl nur sagen, er habe noch zu tun. Es ist spät, aber bei­de haben nicht zusam­men geges­sen, weil er noch in einer Sit­zung sein muss­te, da der neu­es­te Pitch vor­be­rei­tet wer­den muss­te. Es sei jetzt viel zu tun, sagt er, die Herbst­kam­pa­gnen müss­ten vor­be­rei­tet wer­den und jetzt sei die­ser Pitch dazu­ge­kom­men, der die Agen­tur auf ein neu­es Level heben wür­de. Ihr Freund wird jetzt noch bis spät in die Nacht da sit­zen, gebeugt über sein Mac­book, es gehe, wie er kurz gesagt hat­te, um irgend­ein digi­ta­les Pro­jekt, aber Lui­se hat­te nicht zuge­hört, wie denn auch, nach dem, was heu­te gesche­hen war. War­um merkt er nichts, sagt sie sich, Mar­kus müss­te es doch spü­ren, natür­lich spürt man es bei einer Frau, vor allem bei einer Frau, mit der man Bett und Woh­nung teilt.

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Fotographische Hyperrealität

Denken / Fotografie / Geschichte

Jeder, der ein neue­res Smart­pho­ne in den Hän­den hält und damit mehr als nur sei­nen Hund, sein Essen oder sei­nen Gelieb­ten foto­gra­fiert, wird die Fotos als irre­al empfinden. 

Eine gerin­ge­re Tie­fen­schär­fe, wie sie von groß­for­ma­ti­gen Kame­ras je nach der gewähl­ten Blen­de gewohnt war, ist ver­schwun­den (es sei denn sie wird arti­fi­zi­ell bei Por­traits durch Soft­ware erzeugt), Vor­der­grund und Hin­ter­grund sind, bedingt durch die Lin­sen­grö­ße, gleich scharf. Es ist, als habe jemand jedes Detail so scharf stel­len wol­len, dass die Land­schaf­ten unwirk­lich erschei­nen, hyper­nor­mal und fremd, als wäre es Cana­l­et­tos Dres­den oder Warschau.

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Das Beharren der Institutionen

Geschichte / Theologie

Es war Herbst, eigent­lich zu spät für den höl­zer­nen Segler

der mit 276 Per­so­nen an Bord ähn­lich über­la­den wie heu­ti­ge Flücht­lings­schif­fe vom Süd­os­ten Kre­tas aus­lief um längs der Küs­te nach Wes­ten nach Pho­i­nix, das gän­gi­ger­wei­se im Wes­ten Kre­tas ver­mu­tet wird, zu segeln. Man stritt sich vor dem Aus­lau­fen, ob die Pas­sa­ge nicht zu gefähr­lich sei, aber der Haupt­mann, der den Gefan­ge­nen nach Rom brin­gen soll­te, woll­te an Bord. Der pro­mi­nen­te Gefan­ge­ne warn­te ein­dring­lich vor dem Aus­lau­fen, ein Motiv, das an Star­buck von Mel­vil­le erin­nert. Man lief aus, der Leser ahnt es, es wird nicht gut­ge­hen. Als der Seg­ler in See war stei­ger­te sich der Wind zu einem veri­ta­blem Sturm aus Nord­ost, die Segel muss­ten ein­ge­holt wer­den, mit Mühe konn­te das Bei­boot an Bord geholt wer­den, die Besat­zung band Taue um das Schiff, um es am Zer­bers­ten zu ver­hin­dern, warf einen Teil der Schiffs­aus­rüs­tung über Bord und lasch­te die Ruder fest.
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Struktur des Alltäglichen

Fotografie / Kunst

El Ana­tsui. Tri­um­phant Sca­le, Haus der Kunst. Objek­te des All­täg­li­chen ver­dich­ten sich bei El Ana­tsui zu mas­si­ven For­men, die in ihrer Flui­di­tät der Natur gleichen. 

Der Fremde

Erinnerung

Es war vor mehr als zwan­zig Jah­ren im Volks­bad, jenem ocker­gel­ben Jugend­stil­bad in Mün­chen, ein nor­ma­ler Sams­tag­nach­mit­tag, die Schwimm­hal­le war voll, die Umklei­de auch, es waren vie­le Män­ner da. Eini­ge ver­such­ten mit­ein­an­der ver­stoh­len zu flir­ten, ande­re such­ten nur Was­ser und Schwim­men oder waren des­in­ter­es­siert an den Bli­cken. Sah man von der Balus­tra­de der Umklei­de auf das Becken her­un­ter, so sah man das Blau des Beckens, die prunk­vol­len Flie­sen und die Schwim­mer. Eini­ge Besu­cher saßen auch am Becken­rand, wahr­schein­lich genos­sen sie die Atmo­sphä­re, die Schwim­mer und den schö­nen Raum mit dem hohem Gewölbe. 

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Street Art in Marseille

Fotografie