Das Drama der marginalisierten linken Intellektuellen

Denken / Nonfiction

11 - Berlin 94

Man kann das Dra­ma in den Hän­den hal­ten und ganz ein­fach lesen, wenn man das Tage­buch von D.Holland-Moritz Pro­mo­ter kauft. Ein Maga­zin, nennt es sich und ist ein Text, der zwi­schen Ber­lin, genau­er gesagt dem Möbel Olfe, ande­ren Orten in Kreuz­berg, der beschei­de­nen Wohn­si­tua­ti­on im Nor­den Ber­lins, dem Mar­tin Schmitz Ver­lag, Gene­sis P‑Orridge und der Gale­rie Sep­tem­ber kreist.

Natür­lich ist es Pop-Lite­ra­tur, ein Exkurs in die geis­ti­ge Nah­rung einer Genera­ti­on, aller­dings ohne jeden affir­ma­ti­ven Ges­tus, wie es spä­ter en vogue wur­de. Die Wirk­lich­keit erscheint als jener insze­nier­ter Wahn­sinn, als die Welt von Bla­de Run­ner und die eige­ne, pre­kä­re Exis­tenz ist ein ein müh­sa­mer Weg im Dienst eines kri­ti­schen Beob­ach­tung einer all­mäh­lich sich ver­än­dern­den Kul­tur und Sze­ne, die jetzt unter den sel­ben Bil­dern in eine ande­re Welt glei­tet, in der alle wie magne­tisch dem Pol der Macht zustre­ben.

Ein Freund, der lan­ge in New York gelebt hat­te, sag­te es kür­zer aber eben­so böse, als wir im Möbel Olfe waren, die jun­gen Män­ner um uns rum sei­en genau­so kalt und kar­rie­re­be­tont, wie die, die er in Man­hat­ten Mit­te der Acht­zi­ger erlebt hat­te.

Der Rest wird sich “von der Küchen­wand her­un­ter mit einem Kalen­der­spruch das infe­ri­or ange­knacks­te Ego trös­ten, wäh­rend er… bereits nach den Obdach­lo­sen­zei­tungs­ver­käu­fern in ihrer Ther­moklei­dung schielt.”

Hol­land-Moritz pan­zert sich mit einer Dik­ti­on, die sich bei Arno Schmidt oder Brink­mann ent­lehnt und genau­so ein­sam klingt sie auch. Man ahnt die kar­ge Woh­nung der Armut, den beschränk­ten Lebens­kreis, nur Lon­don und die Ost­see wer­den als Sta­tio­nen erwähnt, bei der auf dem Wege dort­hin Nick Caves Stim­me im Auto wach­ruft, “dass es noch ande­re Gefühls­wel­ten gibt, weit ent­fern­te Situa­tio­nen, Momen­te rei­ne­rer Emp­fin­dung, die man sich immer wie­der ver­geb­lich erhofft…”

Aber da ist dann auch, wie Hol­land-Moritz sagen wür­de, die Trost­lo­sig­keit der seit 89 real­ka­pi­ta­lis­tisch ver­sau­ten Ost­see­küs­te vor.