Sind für die Bibel Schwule ultimative Sünder?
„Darum hat sie auch Gott dahingegeben in schändliche Lüste: denn ihre Weiber haben verwandelt den natürlichen Brauch in den unnatürlichen; desgleichen auch die Männer haben verlassen den natürlichen Brauch des Weibes und sind aneinander erhitzt in ihren Lüsten und haben Mann mit Mann Schande getrieben und den Lohn ihres Irrtums (wie es denn sein sollte) an sich selbst empfangen.“
Jeder aufgeklärte Christ hat es schwer, will er sich mit der Homosexualität arrangieren (den Konservativen und Fundamentalisten stellt sich diese Frage erst gar nicht) und gleichzeitig nicht seinen Glauben über Bord werfen, denn gleich am Anfang des Römerbriefes, nach der obligatorischen Grussadresse, steht dieser Text als erste Konsequenz dessen, dass die Menschen das Geschöpf und nicht mehr den Schöpfer anbeten würden. Klein reden lässt sich der Text von Paulus nicht, zu wuchtig ist er in der prominentesten Stelle des Römerbriefes verankert.

Die katholische Kirche hat daraus die Konstruktion der widernatürlichen Sexualität abgeleitet und die sexuelle Verfehlung an sich als die erste und am tiefsten gehende definiert. Weniger haben sich die Theologen gefragt, warum dies gerade am Anfang des Briefes an die Römer steht — des ersten Briefes der paulinischen Briefsammlung, der dazu an das Zentrum des Imperiums gerichtet ist.
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