Autor: GMZ

Nacht ohne Augen

Fiction

Was ist das für ein Drehbuch, dachte ich mir, was für eine Geschichte, ich hätte mich nie dazu bereit erklären lassen sollen, auch nur ein Blick hinein zu werfen, sage ich mir, niemals hätte ich einen Blick riskieren dürfen, keine einzige Silbe hätte ich lesen dürfen, aber die Autorin ist die Nichte einer entfernten Bekannten, die jetzt an der Filmhochschule ihren ersten Abschlussfilm produziert hat, eine unverfängliche Liebesgeschichte, wie ich gehört habe.

Das obszöne Verlangen nach Kitsch

Fotografie / Kunst

Nationaler Kitsch als Zeichen der postmodernen Nationalerzählung. Mitten in dem Stadtzentrum eines Kleinstaates stehen frisch errichtete die Säule und der Brunnen. Krönung dieses Ensembles ist eine bombastische Reiterstatue, die einen markigen Heroen mit gezückten Schwert auf einem merkwürdig fettem Pferd zeigt. Der Reiter hält das Schwert in die Höhe, während sich das Pferd aufbäumt. Nichts wirkt proportioniert. Nachts und in der Dämmerung wird der Brunnen mit wechselnden bunten Strahlern beleuchtet, was ihm die Anmutung einer […]

Durch die Tür

Fiction

Du gingst an der Tür vorbei und ich wollte was sagen, aber du hörtest nicht. Du bist in den Hausflur zum Klo gegangen und hast nicht reagiert. Eigentlich war es dringend gewesen, aber ich weiß nicht, was ich dir sagen wollte. 

Art déco

Architektur / Fotografie / Geschichte

Das Eigenartige ist, dass mit der Art déco eine weiche Moderne erscheint, die das Vergangene spielerisch verdrängen will — böse Zungen könnten sagen, dass dagegen die totale Negation des Alten im Bauhaus und dem Le Plan Voisin von Corbusier eine Parallele zu totalitären Gesellschaftsmodellen darstellt, auch wenn diese später ihren Erneuerungswillen mit Natursteinsäulen und Zuckerbäckerstil getarnt hatten. Lightbox: Seitentitel aufrufen / Photos: Miami Beach

Das Drama der marginalisierten linken Intellektuellen

Denken / Literatur

Man kann das Drama in den Händen halten und ganz einfach lesen, wenn man das Tagebuch von D.Holland-Moritz Promoter kauft. Ein Magazin, nennt es sich und ist ein Text, der zwischen Berlin, genauer gesagt dem Möbel Olfe, anderen Orten in Kreuzberg, der bescheidenen Wohnsituation im Norden Berlins, dem Martin Schmitz Verlag, Genesis P-Orridge und der Galerie September kreist.

Die Mutter aller Städte

Denken / Fotografie / Theologie

Das Eigenartige ist, warum Menschen, die so dicht, arm und gedrängt leben müssen, zumindest äusserlich so freundlich sind. Und warum wir, die Menschen des reichen Westens, das urbane Desaster so pittoresk finden, als ob wir ein Leben, das einmal war, verloren haben und nicht mehr wissen, wo es noch zu finden wäre. Als ob es eine Welt gäbe, die verloren ist, obwohl sie für die anderen, die dort leben, wahrscheinlich weder schön, noch angenehm, noch […]

Paulus und die Schwulen

Theologie

Sind für die Bibel Schwule ultimative Sünder? „Darum hat sie auch Gott dahingegeben in schändliche Lüste: denn ihre Weiber haben verwandelt den natürlichen Brauch in den unnatürlichen; desgleichen auch die Männer haben verlassen den natürlichen Brauch des Weibes und sind aneinander erhitzt in ihren Lüsten und haben Mann mit Mann Schande getrieben und den Lohn ihres Irrtums (wie es denn sein sollte) an sich selbst empfangen.“ Jeder aufgeklärte Christ hat es schwer, will er sich mit […]