Alle Artikel in: Denken

Geistigkeit und Vernunft

Denken / Kunst / Nonfiction

Fast nur deutsch­spra­chi­ge Auto­ren und Phi­lo­so­phen haben sich an einer Gesamt­schau der Geschich­te ver­sucht, Karl Marx etwa, des­sen The­sen erneut bei eini­gen Lin­ken eine zwei­te Renais­sance erle­ben, je mehr der Spät­ka­pi­ta­lis­mus sich in sei­ne dys­funk­tio­na­le Ago­nie stei­gert und absur­der das Ver­hält­nis zwi­schen den Gütern der Weni­gen und der Mit­tel­lo­sig­keit der Vie­len wird. Auch die Rech­ten könn­ten in ihrer Lek­tü­re bei einer Gesamt­schau der Geschich­te fün­dig wer­den, nur hier ist es Oswald Speng­ler, der Kul­tu­ren in ihrer Ent­wick­lung […]

Öde und Bauen

Denken

Es gab in Micha­el Endes Momo, einem damals als Kult ver­ehr­ten und spä­ter ver­film­ten Kin­der­buch, das Bild, graue Zeit­die­be wür­den den Men­schen Zeit und Sinn­lich­keit rau­ben und nichts ande­res als eine graue Wüs­te hin­ter­las­sen.

Es war Samstag

Berlin / Denken / Nonfiction / Theologie

“Was hältst Du von dem IS?” Es war Anfang Dezem­ber und Sams­tag Nacht, die U-Bahn fuhr nach Neu­kölln, um mich her­um saß eine Grup­pe jun­ge Män­ner. Sie rede­ten mit­ein­an­der und scherz­ten. Sie hat­ten dunk­le­re Haut und Drei-Tage Bär­te und die Figur von Leu­ten, die regel­mä­ßig Sport machen oder mehr­mals wöchent­lich ins Fit­nesstu­dio gehen. Ver­mut­lich waren sie tür­kisch oder ara­bisch stäm­mig, sie rede­ten auf Deutsch, ich hör­te nicht hin, da ich noch mei­nen Gedan­ken nach­hän­gen woll­te. Sie […]

Die Vergessenen der Cappuccinolinken

Denken / Nonfiction

“Von wem dür­fen sich die Aus­ge­beu­te­ten und Schutz­lo­sen heu­te ver­tre­ten und ver­stan­den füh­len? An wen wen­den und auf wen stüt­zen sie sich, um poli­tisch und kul­tu­rell zu exis­tie­ren, um Stolz und Selbst­ach­tung zu emp­fin­den, weil Sie sich legi­tim, da von einer Macht­in­stanz legi­ti­miert, füh­len? Oder ganz schlicht: Wer trägt der Tat­sa­che Rech­nung, dass sie exis­tie­ren, dass sie leben, dass sie etwas den­ken und wol­len?” Etwa die Front Natio­nal? Didier Eri­bon, Rück­kehr nach Reims, Suhr­kamp 2016, S.39

Schönheit ist planbar

Denken / Geschichte

  Für Unkun­di­ge, die zum ers­ten Mal eine mit­tel­al­ter­li­che Stadt durch­wan­dern, erscheint die­se als ein Gewirr krum­mer und unre­gel­mä­ßig brei­ter Gas­sen, das all­mäh­lich ent­stan­den sein müss­te und bar jeder gestal­te­ri­schen Ord­nung wäre. Sie über­se­hen dabei, dass dem allen ein exak­ter Plan zugrun­de­lie­gen könn­te, der uns nicht mehr zugäng­lich ist. Stadt­pla­nung beruht in die­sen Augen auf dem recht­wink­li­gen car­do und decu­ma­nus der Römer, der geo­me­trisch exak­ten Ide­al­stadt der Renais­sance oder dem grid der Städ­te in den USA. […]

Rückkehr zum Hass

Denken / Geschichte / Nonfiction

Wie Lin­ke zu Rech­ten wer­den War­um wan­dern Stars der Avant­gar­de wie Céli­ne und Hand­ke in das rech­te Lager? Am Anfang des Romans Rei­se ans Ende der Nacht von Lou­is-Fer­di­nand Céli­ne wer­den Tage unter einem lethar­gisch in schwü­ler Hit­ze dahin­säm­mern­den Kolo­ni­al­re­gime geschil­dert, das in büro­kra­ti­scher Unfä­hig­keit ver­sinkt. Kli­ma­an­la­gen, die Euro­pä­ern die Wohl­fühlzohn­ne enorm aus­wei­ten, sind noch nicht vor­han­den, so bleibt die feuch­te, sti­cki­ge und kleb­ri­ge Hit­ze und das Schei­tern der Hoff­nung, in den Tro­pen zu reus­sie­ren Nach […]

Burroughs und die Geister

Denken / Geschichte / Nonfiction

In sei­nem Buch Bericht aus dem Bun­ker berich­tet Vic­tor Bock­ris von pri­va­ten oder semi­pri­va­ten Kon­ver­sa­tio­nen mit Bur­roughs. Bur­roughs erscheint als ein Scha­ma­ne, als ein Mensch einer ande­ren Zeit, der von Geis­tern, Ali­ens und dem all­mäh­li­chen Ver­fall der Psy­che der all­ge­mei­nen psy­chi­schen Kon­sti­tu­ti­on der Men­schen rings­um erzählt. Wit­zig und zynisch ist der alte Mann oben­drein, er scheint die Abge­klärt­heit eines Men­schen aus­zu­strah­len, der etli­che Höl­len der Welt durch­wan­dert hat, hat er doch ein Leben als Jun­kie, […]

Lost dreams

Denken / Nonfiction

Schif­fe sind häss­lich gewor­den. Sei­en es die gro­ßen Frach­ter, die schwim­men­den Hotels für die Kreuz­fah­rer oder was auch immer. Meist mit bil­li­gen See­leu­ten aus Asi­en bemannt schlep­pen sie Con­tai­ner mit Flach­bild­schir­men und Fern­se­hern, Öl, Rent­ner und Mas­sen­gü­ter über das Meer. Sind nun, wenn man Fou­cault bedenkt, auch die Träu­me der Men­schen im Spät­ka­pi­ta­lis­mus häss­lich gewor­den? Und bedenkt man, dass Schif­fe, die gro­ßen Schif­fe des 19. Jahr­hun­derts, ein Stück schwim­men­der Raum sind, Orte ohne Ort, ganz […]

Der Untergang des Proletariats

Denken / Nonfiction

In sei­ner Samm­lung von Essays, die Frei­beu­ter­schrif­ten genannt wur­den, hat­te Paso­li­ni den Unter­gang des Pro­le­ta­ri­ats vor sei­nen Augen gehabt. Nicht dass es etwa seit­dem weni­ger Arme gege­ben hät­te oder gar für vie­le die wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se kei­nes­wegs pre­kä­rer gewor­den sei­en, ver­schwun­den ist die Klas­se des Pro­le­ta­ria­tes als eine eigen­stän­di­ge, stol­ze Grup­pe, die unter sich Soli­da­ri­tät gekannt hat­te und sich durch Spra­che, Klei­dung und Ges­tus als von den Übri­gen abge­grenzt defi­niert hat­te. Aus­ge­beu­tet, das hat­te ja der Mar­xis­mus […]