Autor: GMZ

Das Kloster der Moderne

Fotografie / Kunst

In Mailands gesichtslosen Randbezirken hat die Fondazione Prada in einem aufgelassenem Industriebau ihre Ausstellungsräume. Der Gebäudekomplex wurde von Rem Koolhaas überarbeitet, der Turm (torre) ist ein Neubau. Anders als in den Kreuzgängen der Klöster, in deren Abgeschiedenheit angesichts der überaus gewalttätigen Welt des Mittelalters Erfahrung des Friedens gesucht wurde, wird hier eine vielschichtige Kontemplation der Moderne offeriert, da die Kunstwerke mit dem Außen durch die offene Architektur in Beziehung stehen. Lightbox: Seitentitel aufrufen / Foto 8: […]

Fabriktagebuch

Geschichte / Literatur / Theologie

Das Fabriktagebuch (La condition ouvrière) von Simone Weil ist eines der eigenartigsten und sperrigsten Werke des 20.Jahrhunderts. Aus einer großbürgerlichen, kosmopolitischen jüdischen Familie stammend stand Simone Weil zuerst dem Kommunismus nahe, wurde Lehrerin, arbeitete für ein Jahr als Experiment in verschiedenen Fabriken, engagierte sich danach in dem spanischen Bürgerkrieg, um dann zuletzt, angewidert von der Brutalität der Anarchisten, sich der Religion anzunähern. Im Zweiten Weltkrieg floh sie nach London und arbeitete vorübergehend für de Gaulle. […]

Technoide Synthesen

Architektur / Fotografie

Die grandiose Architektur des Olympiageländes von 1972 und die imponierende Fassade der BMW Welt sind Gestalt gewordene Hoffnung, man könne das Lebendige mit dem Technischem versöhnen und eine Synthese schaffen zwischen zwei Welten, die so nicht zueinander passen. Vielleicht ist es auch eine Illusion, da die Perfektion des Technischen dem Lebendigen wenig Raum läßt, aber gleichzeitig dessen emotionale Formen übernimmt. Das Werksviertel, das jetzt im Bau ist, möchte die Subkultur, die kurzfristig dort ansässig war, […]

Kirchlicher Antisemitismus

Geschichte / Theologie

„Es ist unerträglich und nicht hinnehmbar, dass Juden und Jüdinnen, Synagogen und jüdische Einrichtungen bedroht, verunglimpft und angegriffen werden. Antisemitismus ist ein Verbrechen. Wir werden uns überall entgegen stellen, wo Antisemitismus auf den Straßen in unserem Land laut wird.Unerträglich ist die Ausgrenzung von Jüdinnen und Juden aus unserer Gesellschaft (…) Wir zeigen Gesicht und versichern den jüdischen Gemeinden: Wir stehen an ihrer Seite. Wer euch angreift, greift auch uns an. Wir stehen auf gegen Antisemitismus.“

Bescheidenheit guter Form

Architektur / Kunst

In der Nähe von Landshut liegt das Anwesen von Fritz König. Dort, in Ganselberg, waren nicht nur sein Wohnsitz und sein Gestüt, sondern auch sein Atelier. Auch wenn das Atelier scheinbar wie ein historisches Gebäude aussieht, sieht man doch bei genauerem Hinsehen Betonfundamente, skulpturale Plastizität der Türbeschläge und strengen Formwillen in den eisernen Bändern, die die Türflügel halten.

Archäologie der Nachkriegszeit

Fotografie / Geschichte

Archäologie der Nachkriegszeit: Als Franz Josef Strauss für die atomare Bewaffnung der Bundeswehr eintrat und Hans Josef Maria Globke im Kanzleramt sass — dazu das kaltweisse Neonlicht in der Nacht, das als Strassenbeleuchtung üblich war. Ebenso Schlägereien der Einheimischen bei Fussballspielen, die Kopftücher der Landfrauen, Zigarettenrauch in Gaststätten und Maggisoße samt der Schale mit den Brotscheiben, die einzeln abgerechnet wurden, auf jedem Gedeck. Lightbox: Seitentitel aufrufen / Augsburg & München, März/April 2013 und München & Mühldorf am Inn […]

Pornografie des Barock

Berlin / Kunst

Auszug aus einem aktuellem Schreibprojekt. Hier geht es um die feinen Regeln der Darstellung, durch die Kulturen das Territorium der Prüderie abstecken. Die fragliche Plastik allerdings sprengt alle Grenzen zugunsten der Pornografie, wenn man die feinen Unterschiede in der Darstellung gewisser Organe als Erklärung liest, wie die Plastik zu deuten sei. Der weitere Text, der eine mögliche Lesart sehen will, ist, wie die Plastik, womöglich nicht jugendfrei:

Inseln der ästhetischen Hoffnung

Architektur / Theologie

Wenn man durch die trostlose Münchner Schotterebene nach Poing fährt, muß man eine von Autobahnen, Schnellstrassen, Gewerbeparks und gesichtslosem Siedlungsbrei völlig zerstörte Landschaft durchqueren. Die Plünderung der Erde, die dazu dient dem Menschen Dinge zu geben, zieht am Autofenster vorbei, wenn man Glück hat, sieht man den fernen Streif der Alpen, sonst nur eine Verwüstung, die mit gerne mit dem Euphemismen des Landschaftsverbrauchs und der Flächenversiegelung umschrieben wird.

Ränder der Neuzeit, Teil 2

Geschichte / Literatur / Theologie

1969 nimmt Bernward Vesper in Schwabing mit einem Reisebegleiter, Burton, einen Trip, der fast vierundzwanzig Stunden dauern wird und später die Grundlage für Vespers Autobiographie, Die Reise, dienen wird. Fast vierundzwanzig Stunden irren Vesper und Burton durch München, durchqueren den Hofgarten und gehen in den Englischen Garten. Die Dinge scheinen sich zu verschieben, eine andere, scheinbar intensivere Wirklichkeit könnte sich auftun, die Welt könnte weit und schön werden, aber in Wahrheit werden Vesper und Burton […]

Ränder der Neuzeit, Teil 1

Geschichte / Theologie

1976 hungerte sich einem Siedlungshaus in Franken eine junge Frau mit 23 Jahren zu Tode, nachdem sie 1973 erstmals durch Klopfen im Zimmer und Stimmen aus der Hölle beunruhigt wurde. Es war das Jahr, in dem der Film The Exorcist von William Friedkin in die Kinos kam, der eine fiktive Teufelsaustreibung beschreibt. Anneliese Michel war darauf wegen vermuteter Epilepsie in Behandlung, denn seit ihrem Zeit als Teenager sah sie außerdem dämonische Gesichter, Fratzen, wie sie sie nannte. Sie […]