Alle Artikel in: Kunst

Dachfiguren

Geschichte / Kunst

Die Men­schen des Baro­ckes erschei­nen für uns schein­bar bereits Wesen der Moder­ne zu sein, also Men­schen, die wir für ver­ständ­lich und mög­li­cher­wei­se ratio­nal hal­ten, aber, sieht man die Rekon­struk­tio­nen baro­cker Schlös­ser, die in Ber­lin und Pots­dam errich­tet wer­den, so fällt eines auf, was noch fehlt und mög­li­cher­wei­se nicht wie­der auf­ge­stellt wird oder gar aus finan­zi­el­len Grün­den weg­ge­las­sen wird, obwohl es zu baro­cker Archi­tek­tur dazu­ge­hört: die Atti­ka-Figu­ren.

Stadt der Träume

Fotografie / Kunst

Es gibt in die­ser unter­ge­hen­den Stadt, in deren obe­ren Geschos­sen die Fens­ter nachts zumeist dun­kel sind und in der sich tags­über Tou­ris­ten­mas­sen durch Gas­sen vol­ler Restau­rants und Cafés samt Ramsch­lä­den von Paki­sta­nis mit Krims­krams und Kitsch für Tou­ris­ten quä­len, seit mehr als einem Jahr­hun­dert die Bien­na­le, ver­teilt in einem Park und einer ehe­ma­li­gen Werft für Galee­ren. 

Blau

Kunst / Nonfiction / Theologie

Chro­ma, das Buch der Far­ben, hat Derek Jar­man geschrie­ben, als er am Erblin­den war. Derek Jar­man konn­te den Farb­ton der Druck­fah­nen nicht mehr kon­trol­lie­ren und ver­zich­te­te daher auf Bil­der, was blieb sind schnell hin­ge­wor­fe­ne Sprach­fet­zen, Asso­zia­tio­nen, Erin­ne­run­gen und his­to­ri­sche Zita­te. Jetzt, halb­blind, zwi­schen den Ter­mi­nen im Kran­ken­haus und dem Ver­däm­mern zuhau­se huschen die Far­ben und die Bil­der, die sie tra­gen, durch den Kopf. Derek Jar­man hat­te AIDS, er lag immer wie­der im Kran­ken­haus und sei­ne […]

Die Ekstase des Expressionismus

Fotografie / Kunst / Theologie

Inmit­ten des rie­si­gen Cho­res der Sagra­da Fami­lia in Bar­ce­lo­na hängt unter einer Art Lam­pen­schirm ein gekeu­zig­ter Chris­tus, die Bei­ne ange­win­kelt, als Sym­bol des Men­schen, der von der Macht oder Mensch­ma­schi­ne geop­fert wird, klein und win­zig ange­sichts des rie­si­gen Säu­len­wal­des, der wie ein Fie­ber­traum wirkt: Es ist, als habe eine Welt der Tita­nen, die Fritz Langs apo­ka­lyp­ti­schen Film Metro­po­lis ent­sprun­gen sein könn­te, Anto­ni Gau­dí Pate gestan­den:

Kalte Glätte

Fotografie / Geschichte / Kunst

Nir­gend­wo tritt die merk­wür­di­ge Käl­te des Moder­nen so zuta­ge, wie in dem deut­schen Welt­aus­stel­lungs­pa­vil­lon 1929 in Bar­ce­lo­na. Es ist, als habe man einen unbe­rühr­ba­ren Kris­tall erschaf­fen wol­len, des­sen rei­ne Ober­flä­che die Gegen­wart des Todes und der rei­nen Anschau­ung ver­eint. Dass die­se archi­tek­to­ni­sche Reduk­ti­on den Blick eines Man­nes voll­zieht, zeigt die im Hof ein­ge­schlos­se­ne Sta­tue einer nack­ten Frau. Den Fetisch des unbe­rühr­bar Männ­li­chen und Voll­ende­ten hat sich ein spä­te­res deut­sches Regime zuei­gen gemacht ohne die­sen Stil zu ver­wen­den, […]

Die Festung starren Glaubens

Geschichte / Kunst / Theologie

In weni­gen Bau­ten ver­wirk­licht sich die Mischung aus Glau­be, Ideo­lo­gie und Macht sosehr in einem Kris­tall wie dem El Esco­ri­al nahe Madrid, das von Phil­ipp II. von Spa­ni­en am Ran­de der Ber­ge in der Nähe von Madrid als Klos­ter und Palast kon­zi­piert wor­den ist. In ihm scheint der mili­tan­te Katho­li­zis­mus der Gegen­re­for­ma­ti­on zu einem stei­ner­nen, abwei­sen­den Mani­fest abso­lu­ten Wil­lens zur eige­nen Unter­ord­nung ver­dich­tet zu sein, des­sen grau­er Gra­nit fast schmuck­los ist, aber eine unge­heu­re seri­el­le und […]

Geistigkeit und Vernunft

Denken / Kunst / Nonfiction

Fast nur deutsch­spra­chi­ge Autoren und Phi­lo­so­phen haben sich an einer Gesamt­schau der Geschich­te ver­sucht, Karl Marx etwa, des­sen The­sen erneut bei eini­gen Lin­ken eine zwei­te Renais­sance erle­ben, je mehr der Spät­ka­pi­ta­lis­mus sich in sei­ne dys­funk­tio­na­le Ago­nie stei­gert und absur­der das Ver­hält­nis zwi­schen den Gütern der Weni­gen und der Mit­tel­lo­sig­keit der Vie­len wird. Auch die Rech­ten könn­ten in ihrer Lek­tü­re bei einer Gesamt­schau der Geschich­te fün­dig wer­den, nur hier ist es Oswald Speng­ler, der Kul­tu­ren in ihrer Ent­wick­lung […]

Rationale Strukturen alten Stils

Denken / Fotografie / Kunst

Das Eigen­ar­ti­ge an recht­wink­lig, funk­tio­na­len For­men ästhe­ti­scher Ord­nung ist, dass manch­mal ihre Struk­tur offen­kun­dig gest­rig erscheint. Gera­de, rech­ter Win­kel, Qua­drat, das sind kla­re, weni­ge For­men. Zwar war seit der Anti­ke mit der Fibo­nac­ci-Fol­ge die Kur­ve eines Schne­cken­hau­ses dar­stell­bar, aber erst mit der Man­del­brot­men­ge ist schein­ba­res Cha­os ratio­nal bere­chen­bar gewor­den. Jetzt haf­tet dem Design sol­cher schuh­schach­tel­glei­chen Struk­tu­ren etwas Archai­sches an. Die Fra­ge­stel­lung der Roman­tik, die Schön­heit jen­seits dama­lig fast immer recht­wink­lig ratio­na­ler Struk­tu­ren gesucht hat­te, ist obso­let ange­sichts der heu­ti­gen Mög­lich­keit, in nahe­zu […]

Kunst in temporären Galerien

Fotografie / Kunst

Das Eigen­ar­ti­ge an der Tätig­keit des Gale­ris­ten und Kura­tors ist, dass ihr Geschmack und ihre Klug­heit die Ver­bin­dung zwi­schen Wer­ken her­stel­len, die sonst wenig mit­ein­an­der zu tun haben. Wäh­rend Kura­to­ren manch­mal poli­ti­sche und ideo­lo­gi­sche Kri­te­ri­en ein­flies­sen las­sen sind Gale­ris­ten in ihrer Aus­wahl oft frei­er. Wenn sie eine ange­neh­me Ver­kaufs­aus­stel­lung arran­gie­ren, fügen sie Wer­ke zusam­men, deren Zusam­men­spiel mehr zählt als die Sum­me ein­zel­ner Wer­ke. Hier ist es eine tem­po­rä­re Gale­rie in den Reprä­sen­ta­ti­ons­räu­men einer alten Woh­nung, die gleich­zei­tig die […]